Warum Unternehmen die neue „persönliche Note“ brauchen

 

 

 

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Ist eine Gesellschaft, die teilt, der Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufschwung?

von Hubert Tardieu, CEO Berater, Atos

 

Wenn man das Zusammenspiel von Globalisierung und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit betrachtet, wird schnell deutlich, dass sich lokale wirtschaftliche und politische Krisen zunehmend global auswirken.

 

Die ersten Anzeichen einer Konjunkturerholung sind sichtbar. Da private und öffentliche Schulden trotz umfassender Sparmaßnahmen weiter anwachsen, ist die positive Entwicklung nicht garantiert. Hinzu kommen Bedenken und Befürchtungen in Bezug auf die globale Lebensmittelversorgung und –verteilung, prognostizierte Energieengpässe und den scheinbar unaufhörlichen Strom an natürlichen und vom Menschen verursachten Katastrophen.

 

Eine Möglichkeit, dem hohen Verschuldungsniveau von Verbrauchern entgegenzutreten, hat Jeremy Rifkin in dem Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus” erörtert. Die sogenannte „Sharing Society“ oder „Peer-to-Peer-Wirtschaft“ verkörpert einen wachsenden Trend, der laut Rifkin Millionen von Konsumenten in „Prosumenten“ verwandelt und ernsthaftes politisches Interesse zu wecken beginnt. Der Trend ist weltweit bereits 11,31 Milliarden Euro wert und weitet sich aus, vor allem in Form einer Reihe von Dienstleistungen, die die Zusammenarbeit und den Austausch menschlicher und materieller Ressourcen durch innovative neue Webseiten und mobile Apps ermöglichen.

 

Das Wachstum der „Sharing Society“ ist eine Ausprägung der durch Smartphones und Tablets begünstigten gesteigerten Konnektivität zwischen Menschen. Wir beobachten den Aufstieg einer Anzahl von technisch orientierten Start-ups aus Silicon Valley wie zum Beispiel Airbnb, Carpling und Taskrabbit, die diese Art von Tauschhandel im großen Maßstab ermöglichen. Vom Internet getrieben agieren diese Unternehmen als Mittler zwischen Menschen mit einem Überschuss an verfügbarer Zeit, Eigentum oder Vermögenswerten auf der einen Seite und potenziellen Nutzern auf der anderen. Airbnb stellt zum Beispiel über seine Webseite oder mobile App eine Verbindung zwischen Anbietern von Zimmern oder Wohnungen zur kurzfristigen Miete und Unterkunft suchenden Interessenten her.

 

Europa ist von diesem neuen wirtschaftlichen Phänomen besonders betroffen. Deshalb überlegen sich momentan verschiedene europäische Städte und Länder, wie man die „Sharing Society“ am besten lenken kann. Wir haben uns ebenfalls an der neuen Tauschwirtschaft beteiligt und 2013 die Heimtauschinitiative „Home to Swap“ ins Leben gerufen. Diese Initiative ermutigt unsere Mitarbeiter, ihr Zuhause mit Kollegen zu tauschen und in einem von 52 Ländern einen kulturell bereichernden Urlaub zu machen. Während unsere Initiative Mitarbeitern den Heimtausch kostenfrei anbietet, bieten andere Tauschdienste Menschen die Möglichkeit, ihre überschüssige Zeit, Autos oder Wohnungen in bares Geld umzumünzen. Was wird benötigt, um tatsächlich Erfolg zu haben?

 

Ein klares Regelwerk: Die „Sharing Society“ wirft einige interessante Rechtsfragen auf, da die Grenze zwischen Geschäfts- und Privatsphäre verwischt wird. Wenn Sie einem Freund zum Beispiel für zwei Wochen Ihr Sofa anbieten, dann geschieht das gegenwärtig außerhalb des Rechtsrahmens. Würden Sie Ihr Sofa jedoch gewerblich nutzen und es über den engen Freundeskreis hinaus über soziale Netzwerke anbieten, müssten Sie Aspekte wie Versicherung und Steuer beachten.

 

Vertrauen: Technologie stellt zwischen Unbekannten eine Vertrautheit in einem Umfang her, die es uns ermöglicht, unsere Habseligkeiten, unser Eigentum und unsere Dienstleistungen miteinander zu tauschen. Trotzdem wollen Menschen immer noch mit anderen Menschen zu tun haben und es ist wichtig, dass diese neuen Tauschdienste ein gewisses Element an menschlicher Interaktion bewahren, um Vertrauen zwischen Anbietern und ihren Kunden zu fördern.

 

Akzeptanz durch den Endnutzer: Da Tauschdienste auf dem gesamten Kontinent schnell an Boden gewinnen, könnte Europa ohne Problem ein Dreh- und Angelpunkt der „Sharing Society“ werden. Das bringt allerdings jetzt schon Märkte durcheinander. Unterschiedliche Regelauslegungen wie im Fall Uber gegen konventionelle Taxen in London müssen schnellstens ausgeräumt werden, wenn die Tauschdienste die Aufmerksamkeit von Verbrauchern und Unternehmen in großem Maße auf sich ziehen sollen. Der freie Zugang und die Vermeidung von Diskriminierung sind ebenfalls wichtige Faktoren, die in der Tauschwirtschaft eine wichtige Rolle spielen und die man klären muss.

Unterstützung für die nächste Generation der „Sharing Society“

Das Aufkommen von Tauschdiensten zwischen Verbrauchern bildet schon heute den Nährboden für die nächste Generation der „Sharing Society“ zwischen Unternehmen: Business-to-Business. Betriebe wie die gemeinschaftliche Arbeitsplattform WeWork und der Anbieter von „Talent-as-a-Service“, Crowdsource, werden immer zahlreicher. Die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen wie Bürofläche und Fachkräfte ermöglicht die Rationalisierung von Unternehmen und erlaubt ihnen mehr Effizienz bei weniger Bürokratie. Darüber hinaus können Betriebe auf diese Weise schneller und kostengünstiger auf Marktveränderungen reagieren.

 

Das Prinzip der gemeinsamen Wertschöpfung bietet uns eine echte Gelegenheit, die Interessen von Unternehmen, Regierung und Zivilgesellschaft besser aufeinander auszurichten und uns so gemeinsam für eine verantwortungsbewusste Regierungsführung, weltweite Stabilität und Sicherheit, soziale Inklusion und wirtschaftlichen Wohlstand einzusetzen.

Hubert Tardieu

Ich habe 27 Jahre lange bei Sema, damals noch Schlumberger Sema, heute Atos, in verschiedenen Positionen, einschließlich Global Telcom, Global Finance, Global Systems Integration und Global Consulting gearbeitet. Heute berate ich den CEO von Atos und helfe ihm dabei, eine visionäre Sicht der Zukunft unserer Welt in fünf Jahren zu entwickeln. Bei dieser Aufgabe unterstützt mich seit Juni 2009 die mehr als hundertköpfige Scientific Community, eine Gemeinschaft der besten Ingenieure von Atos. Die Scientific Community hat ihre Vision der Zukunft ausgearbeitet.  Das Whitepaper „Journey 2016 – Enterprises without boundaries“ ist auf der Website von Atos verfügbar.

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